Sogar Rastermotive können geflockt werden

(SRA) Federn, Reinigungstücher, Schiffe – beflockt werden kann heute fast alles. Dabei geht es in erster Linie um funktionale Aspekte, die für eine Beflockung sprechen. Bei der hochwertigen Veredlung von Bekleidung steht selbstredend der kreative Aspekt im Vordergrund. Welche Verfahren es gibt, welchen Nutzen Flock hat und welche Unternehmen sich in dem Markt bewegen – darüber konnten sich die rund 60 Teilnehmer des 23. Symposiums der Flock Association of Europe am 23. und 24. März 2015 in München informieren.

 

In der Automobilindustrie spielt die Beflockung eine große Rolle bei der Herstellung von einzelnen Bauteilen wie zum Beispiel technischen Federn. Wie Christian Fehler vom Automobilzulieferer Pieron

erklärte, werden Federn beflockt, um eine Reduzierung von Geräuschen zu erzielen. Roberto Rossetti vom italienischen Automobilzulieferer Finelvo erläuterte, wie Garne beflockt werden, um damit die Luftzirkulation bei technischen Textilien zu verbessern und gleichzeitig ebenfalls Geräusche zu minimieren. Das Unternehmen Freudenberg, Hersteller der Vileda Reinigungstücher, setzt die Flocktechnologie ein, um die Reinigungswirkung der Wischtücher zu erhöhen. Spannend war auch der Beitrag von Rik Breuer vom niederländischen Unternehmen Micanti. Anhand von Videoeinspielungen demonstrierte er, wie ganze Schiffsrümpfe mit beflockten Folien verklebt werden. Der Effekt: An der haarigen Schiffswand setzen sich keine Schnecken, Muscheln oder Algen mehr nieder. Der Vorteil für die Reedereien: Die Schiffe müssen nicht mehr jährlich aufwändig gereinigt werden, zudem wird der Spritverbrauch der Schiffe deutlich reduziert. Günther Holzinger von CHT R. Beitlich unternahm in seinem Vortrag einen Exkurs in die Chemie der Flockklebstoffe, wobei er unter anderem auf das Thema Ökologie in der Beflockung einging. Jürgen Schwarz von Kissel + Wolf stellte das neue Chemikalien-Einstufungs- und Kennzeichnungssystem GHS vor. Dieses ist bei chemischen Gemischen ab Juni dieses Jahres Pflicht und wirkt sich unter anderem auf die   Gefährdungsbeurteilungen und die Betriebsanweisungen in den Unternehmen aus.

Anwendungen auf Bekleidung

Die Beflockung von Bekleidung spielt in den europäischen Veredlungsbetrieben kaum noch eine Rolle. Das ergab bereits die TVP-Marktstudie, die 2014 vorgelegt wurde, und bestätigte sich auch beim diesjährigen Flock-Symposium. Sowohl auf Seiten der Teilnehmer als auch der Referenten  spielte das Thema kaum eine Rolle.

Einen Exkurs in die Geschichte der Textilbeflockung unternahm Alberto Sadun vom italienischen Maschinenhersteller Aigle. Elke Klemenz von Farcap, einem gemeinnützigen Unternehmen für faire Mode, warf in ihrem Vortrag „Flock und Ökologie“ einen Blick auf Siegel und Zertifikate, mit denen fair gehandelte, ökologisch produzierte und nachhaltige Bekleidung ausgezeichnet wird.

Exkursion zu MHM

Die Zahl der Textilspezialisten beim Flock-Symposium war zwar äußerst gering, dennoch fand die Exkursion zum Texilsiebdruckmaschinenhersteller MHM nach Erl nahe Kufstein am zweiten Konferenztag großen Anklang. Edvard Crnic hatte am Vormittag in einem praxisorientierten Vortrag das Multi-Color-Flockverfahren auf Bekleidung dargestellt. Dabei erklärte er, dass die Beflockung mittels vollautomatischer Siebdruckkarusselle heute einfach zu realisieren ist. Durch den Einsatz von

abgeschlossenen Flockbehältern ist das Verfahren sauber und frei von Staub, zudem lässt es sich leicht mit dem Siebdruck kombinieren. Bei der Vorführung der mehrfarbigen Beflockung im Showroom von MHM konnten sich die Teilnehmer schließlich davon überzeugen, dass selbst sechsfarbige Rastermotive möglich sind und wahrlich einen Wow-Effekt erzeugen. Die Herausforderung stellt dabei weniger die Beflockstechnologie als solche dar, sondern vielmehr die Farbseparation und die Farbreihenfolge beim Auftrag auf das T-Shirt.